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Geschichte

Im Jahr 1918 reiste der Amerikaner William Cameron Townsend (1896-1982) nach Guatemala, um dort als Missionar für die Bibelverbreitung zu arbeiten. Sehr bald wurde er mit der Tatsache konfrontiert, dass die dort lebenden Indianer mit der spanischen Bibel wenig anfangen können, weil Spanisch für sie eine Fremdsprache ist, die sie nicht ausreichend beherrschen.

Daher widmete er sich in der Folgezeit dem Studium der Sprache der Cakchiquel-Indianer, in die er dann auch das Neue Testament übersetzte. Seine Erfahrungen in der Arbeit mit Indianersprachen flossen ein in einen Kurs zu Ausbildung junger Missionare, den er 1934 gründete.

Einige Kursabsolventen begannen in den Folgejahren in loser Verbindung mit Cameron Townsend in Mexiko mit dem Studium von Indianersprachen. Als ihre Zahl weiter anstieg, gaben sie sich 1936 eine demokratisch geführte Organisationsstruktur unter dem Namen "Summer Institute of Linguistics" (SIL). Cameron Townsend erkannte bald, das die zu der Zeit aufblühende Wissenschaft der Strukturellen Linguistik ein hervorragendes Werkzeug ist, um ungeschriebene Sprachen zu analysieren und zu lernen. So wurden Theorie und Methoden dieser Wissenschaft in die Ausbildung der angehenden Bibelübersetzer übernommen.

 

In der Folgezeit haben die Mitarbeiter sowohl von der Linguistik profitiert als auch zu ihrer Weiterentwicklung beigetragen. Heute ist das SIL weltweit die größte Organisation, die sich mit linguistischer Feldforschung befasst, besitzt eine offizielle Beziehung zu den Vereinten Nationen und verwaltet den ISO-Standard über die Liste der Sprachen weltweit

Das weitere Wachstum der Gruppe in Mexiko machte es notwendig, auch im Heimatland USA eine Vertretung einzurichten, die die finanziellen Belange regelt und die Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt macht. Deshalb wurde 1942 in einem Vorort von Los Angeles die Schwesterorganisation "Wycliffe Bible Translators" gegründet. Bis heute ist es bei dieser Doppelstruktur geblieben. Die meisten Mitarbeiter gehören zu beiden Organisationen.

Je länger, desto mehr machten Informationen aus anderen Teilen der Welt deutlich, dass es überall noch Völker mit unerforschten Sprachen und ohne eigene Bibelübersetzung gab. So weitete sich die Arbeit über Mexiko hinaus auf weitere Länder Nord- und Südamerikas aus.

In den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen Länder in Asien, im Pazifik und in Afrika dazu. Ein großes Arbeitsfeld öffnete sich Anfang der 90er Jahre im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Zur Zeit sind Wycliff-Mitarbeiter an ca. 1400 Projekten in über 70 Ländern beteiligt. In einigen Ländern Lateinamerikas konnte die Arbeit inzwischen bereits abgeschlossen werden bzw. wurde von einheimischen Organisationen übernommen.

In den 50er Jahren begann sich die Organisation auch für Mitarbeiter aus anderen Ländern als den USA zu öffnen. 1962 wurde in Deutschland ein Verein gegründet, der sich die Förderung eines deutschen Ausbildungskurses und die Unterstützung deutscher Mitarbeiter zum Ziel gesetzt hatte. Die ersten österreichischen Mitarbeiter wurden noch über Deutschland ausgesandt.

Wycliff-Österreich wurde 1983 gegründet. Die ersten Mitarbeiter, die ausgesandt wurden, waren Gottlieb und Margit Royer, die nach Papua-Neuguinea zu den Kanasi gingen. Dieses Projekt ist in der Zwischenzeit erfolgreich abgeschlossen.

Heute sind von 16 Teams aus Österreich in aller Welt tätig, dazu kommen mehrere, die sich auf einen Einsatz vorbereiten. Sechs Mitarbeiter arbeiten im Heimatbüro mit, um die Arbeit in den Einsatzländern zu ermöglichen.

 

 

 

Schlagzeilen

Wenn Menschen ein Heft mit Bibeltexten in ihrer Muttersprache einmal in der Hand haben, wollen sie es oft nicht wieder abgeben: Eine Kinga-Übersetzerin las einigen Frauen einen Abschnitt aus der Übersetzung des Markus-Evangeliums vor. Als sie aufhören wollte, protestierten die Frauen und nahmen ihr schließlich die Blätter ab, um selbst weiterlesen zu können...

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