Die Corona-Krise war für uns kein Grund, unser Einsatzland Mexiko zu verlassen, aber seit Mitte März hat das Virus auch hier im Land die meisten Aktivitäten zum Erliegen gebracht.

Die Schule unserer Kinder hat von einem Tag auf den anderen auf Fernunterricht umgestellt. SIL*-Mexiko musste alle Kurse zur Ausbildung einheimischer Mitarbeiter absagen. Reisen ins Sprachgebiet sind nicht erlaubt und in vielen Fällen auch nicht möglich, weil die indigenen Volksgruppen, um sich vor Corona zu schützen, viele Straßen gesperrt haben. Außerdem sind Kurse, Tagungen und Konferenzen in Mexiko, den USA und Thailand ausgefallen, an denen ich hätte teilnehmen sollen. Und als Familie befinden wir uns in Heimquarantäne in unserem Haus in der Kleinstadt Mitla. Langweilig wird uns trotzdem nicht.

Vor einem Bücherschrank steht ein Mann in blauem Hemd vorm Laptop. Am externen Bildschirm dahinter läuft ein Zoom-Gespräch.

Zum einen fand ein Teil der Arbeit von SIL-Mexiko auch bisher schon übers Internet statt: Viele virtuelle Besprechungen, Korrespondenz per E-Mail und gemeinsame Arbeit an Online-Dokumenten gehören schon lange zu unserem Arbeitsalltag. Dazu kommen in der Corona-­Krise aber auch neue Aufgaben: Die Ausbildung einheimischer Mitarbeiter ist ein wichtiger Teil der Arbeit hier in Mexiko. Bisher haben wir nur Kurse vor Ort angeboten. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck daran, Kurse ins Internet zu verlegen.

Damit das möglich ist, müssen wir die passende Infrastruktur schaffen und lernen, mit den erforderlichen Programmen und Werkzeugen umzugehen. Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit ist es, den fachlich kompetenten Kursleitern die Scheu vor den neuen Technologien zu nehmen. Neben der technischen Unterstützung vermitteln wir ihnen sowohl die Fähigkeiten als auch das nötige Selbstvertrauen, um die Kurse online anzubieten.

Um all das zu erreichen, leite ich ein Team von inzwischen sechs SIL-Kollegen, von denen die meisten jetzt in der Krise ihren früheren Aufgaben nicht nachgehen können. Gemeinsam haben wir die Möglichkeiten des Online-­Unterrichts recherchiert, Informationen gesammelt, Materialien erstellt und Unterrichtseinheiten entwickelt.

Einige Online-Kurse haben wir schon abgehalten. Außerdem haben wir eine Webseite eingerichtet, über die die meisten der entstandenen Hilfsmittel zugänglich sind: https://sites.google.com/sil.org/online-learning-toolbox
 
All das war ursprünglich nur für die Spracharbeit in Mexiko gedacht. Da aber unsere Kollegen in anderen Ländern unter den gleichen Einschränkungen leiden wie wir, hatten unsere Online-­Kurse bereits Teilnehmer aus acht verschiedenen Ländern.

Als Ergebnis können wir sechs der acht Kurse, die ursprünglich zwischen April und November vor Ort abgehalten werden sollten, jetzt online anbieten. Manche Interessenten können nicht teilnehmen, weil ihnen die technische Ausrüstung oder der Internetzugang fehlen. Dafür erreichen wir andere, die zu weit weg wohnen, um an diesen Kursen vor Ort teilzunehmen, und die dankbar sind, jetzt aus tausenden Kilometern Entfernung dabei sein zu können. So hat sich trotz der Einschränkungen durch Corona die Möglichkeit aufgetan, neue Wege für ­unsere Arbeit zu entwickeln.

– von Marc Schwab
 
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* SIL ist eine Partnerorganisation von Wycliff

Neue Wege in Mexiko